Zielten die am 15.Juli von Brigadegeneral Ahmet Hacıoğlu eingesetzten Scharfschützen auf Zivilisten?

Zielten die am 15.Juli von Brigadegeneral Ahmet Hacıoğlu eingesetzten Scharfschützen auf Zivilisten?
08/02/2026

Am 15. Juli geriet Oberstleutnant Ertuğrul Terzi, der unter dem Vorwand eines Terroranschlags in eine große Falle gelockt und zum Hauptquartier der Gendarmerie entsandt worden war, und schilderte in seiner Verteidigung die Ereignisse jener Nacht und der Zeit danach.

Nach den Ereignissen wurde Brigadegeneral Ahmet Hacıoğlu in den Medien als heldenhafter Kommandeur dargestellt, der sich den Putschisten widersetzt habe. Es stellte sich jedoch heraus, dass er zu einem Zeitpunkt, als noch kaum von einem angeblichen Putsch die Rede war, Scharfschützen in den umliegenden Gebäuden positionierte und dass durch diese Scharfschützenfeuer zahlreiche verdächtige Todesfälle verursacht wurden.

Scharfschützen in umliegenden Gebäuden platziert

Es wurde bekannt, dass Brigadegeneral Ahmet Hacıoğlu in seiner Aussage erklärte, er habe persönlich Scharfschützeneinheiten in den umliegenden hohen Gebäuden positioniert und dass diese Einheiten in einer ersten Phase gegen etwa 01:00 Uhr schätzungsweise acht Personen außer Gefecht gesetzt hätten. Wie Hacıoğlu in einer derart akuten Krisensituation zu einer solchen Entscheidung gelangte, ab welcher Uhrzeit er vom Putsch Kenntnis hatte und ab wann diese Einheiten ohne jegliche Planung positioniert wurden, blieb unbeantwortet. Oberstleutnant Ertuğrul Terzi, der auch für den Tod von zwei Personen im Hauptquartier der Gendarmerie verantwortlich gemacht wird, führte in seiner Aussage aus:

„Wie viele der in jener Nacht verstorbenen Bürger sind möglicherweise Ziel dieser Scharfschützen gewesen? In diesem Zusammenhang sind auch die Funkprotokolle der Polizei von Ankara zum 15. Juli vom 9. September 2016 zu berücksichtigen, aus denen hervorgeht, dass Scharfschützen auf die Bevölkerung geschossen haben. Besteht ein Zusammenhang zwischen den Scharfschützen und der Tatsache, dass bei keiner der zivilen Todesopfer bei den Obduktionen Projektilkerne gefunden wurden oder diese trotz Auffindens nicht in den Berichten erwähnt sind? Und welchen Zusammenhang gibt es zwischen diesen Scharfschützen und der Tatsache, dass bei den getöteten Bürgern nicht eine einzige ballistische Untersuchung durchgeführt wurde?“

Die rätselhafte polizeiliche Befragung einen Tag vor dem 15. Juli

Es stellte sich heraus, dass am 14. Juli ein Polizeiteam zum Hauptquartier der Gendarmerie kam und die Dicke der Scheiben des Wachhäuschens sowie deren Durchschlagsfestigkeit abfragte. In Anbetracht der Tatsache, dass im Hauptquartier der Gendarmerie panzerbrechende Munition eingesetzt wurde, wie aus dem Obduktionsbericht des erschossenen Märtyrers Yakup Büyükbaş hervorgeht, wirft dies die Frage auf, ob es eine Verbindung zwischen den Scharfschützen und diesem Polizeiteam gibt.

Gelöschte Kameraaufzeichnungen aus dem Gebäude der Scharfschützen

Obwohl die Staatsanwaltschaft die Kameraaufzeichnungen des Hauptquartiers der Gendarmerie sechs Tage nach dem Vorfall anforderte, wurde festgestellt, dass die Aufzeichnungen der umliegenden privaten Wohnanlagen und Wohnkomplexe erst am 2. August, also 18 Tage später, angefordert wurden. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass diese Anlagen nur 15 Tage lang Aufzeichnungen speichern und die Daten daher gelöscht waren. Zudem wurde festgestellt, dass in der Folge keinerlei Schritte unternommen wurden, um die Aufzeichnungen wiederherzustellen. Eine der Wohnanlagen, deren Aufnahmen angeblich gelöscht wurden, war die Wohnanlage Ihlamur, die aufgrund ihrer guten Sicht auf das Gebiet und weil sie das Gebäude mit den Scharfschützen war, von besonderer Bedeutung gewesen wäre. Dass derart wichtige Aufzeichnungen aus einem so banalen Grund nicht gesichert werden konnten, nährt den Verdacht, dass die Aufklärung darüber, wer die in jener Nacht getöteten Bürger getötet hat, bewusst verhindert wurde.

Salim Sancak

Quelle:
Die in den Hauptverhandlungen vom 31.01.2019 und 01.02.2019 im Rahmen der Akte Nr. 2017/109 des 17. Schwurgerichts Ankara per SEGBİS aufgezeichnete sachliche Verteidigung des Angeklagten Ertuğrul Terzi.