Szenario der Unterbrechung von Sendungen: Der Besuch der Spezialeinheiten in den Türksat-Anlagen
Das Kommando der Spezialeinheiten gehört zu den Institutionen, deren Name in der Geschichte der Türkei mit vielen bedeutenden Ereignissen in Verbindung gebracht wird. Aus den vor Gericht abgegebenen Aussagen von Angeklagten ging hervor, dass sich Hulusi Akar, Hakan Fidan und Zekai Aksakallı wenige Tage vor dem 15. Juli bis spät in die Nacht hinein im Kommando der Spezialeinheiten getroffen hatten, um über die Vorgehensweise während des sogenannten Putschversuchs zu sprechen.
Geheimdienstliche Exkursion von Kursteilnehmern zu Türksat
Arıkan, der als Personenschützer von Hulusi Akar tätig war, sprach in seiner vor Gericht abgelegten Aussage von einer bemerkenswerten Exkursion, die drei Monate vor dem angeblichen Putschversuch stattfand.
Im Rahmen der Spezialoperationsphase (April–Mai) des 4. Lehrgangs der Spezialeinheiten wurde am 14. Juli 2016 ein Besuch der Türksat-Anlagen organisiert. Diese Phase war Teil der Ausbildung, die früher als „Unkonventionelle Kriegsführung“ (Gayri Nizami Harp) und heute als „Nicht-konventionelle Kriegsführung“ (Konvansiyonel Olmayan Harp, KOH) bezeichnet wird. Der damalige Kommandeur der Schule der Spezialeinheiten, Oberst i. G. Ömer Faruk Bozdemir, wies die Kursteilnehmer an, „im Rahmen eines Szenarios zu lernen, wie die Türksat-Übertragung unterbrochen werden könne, dabei jedoch nicht direkt danach zu fragen; die Verantwortlichen von Türksat seien darüber informiert, dass es sich um eine kulturelle Besichtigung handle, und das Ziel bestehe darin, unauffällig zu erfahren, wie die Übertragung abgeschaltet werden könne“.
Bericht: Sendungen können in keiner Weise unterbrochen werden
Die von den Kursteilnehmern erstellten Berichte kamen zu dem Ergebnis, dass selbst im Falle eines Angriffs oder Sabotageakts gegen die Türksat-Anlagen Radio- oder Fernsehsendungen nicht unterbrochen werden könnten. Die Verantwortlichen erklärten, dass für negative Szenarien zwei alternative Lösungen vorgesehen seien: Sollte die Türksat-Anlage in Gölbaşı bombardiert werden oder ihre Funktionsfähigkeit verlieren, würden Einrichtungen in anderen Regionen der Türkei, die Dienste anbieten, automatisch aktiviert. Darüber hinaus wurde den Kursteilnehmern mitgeteilt, dass im Falle eines Ausfalls des Türksat-Satelliten Frequenzen von Satelliten anderer Länder angefordert werden könnten, sodass die Übertragung fortgesetzt würde.
Ein Beispiel für psychologische Kriegsführung
Vor dem Hintergrund dieser im Rahmen der Exkursion gewonnenen Erkenntnisse wurde die Tatsache, dass ein Eingriff in die Türksat-Anlagen die Übertragungen nicht stoppen könne, innerhalb des Kommandos der Spezialeinheiten nahezu als allgemein bekannt angesehen. In diesem Zusammenhang kann davon ausgegangen werden, dass die unter dem Vorwand einer Terrorwarnung zu Türksat entsandten Personen als Teil des Verrats und der Inszenierung des 15. Juli bewusst als Opfer ausgewählt wurden und über Monate hinweg durch Methoden der psychologischen Kriegsführung zu Material für graue Propaganda gemacht wurden.
Der damalige Schulkommandeur Faruk Bozdemir, der zu den Planern des Türksat-Besuchs gehörte, wurde unmittelbar nach dem 15. Juli zum Brigadegeneral befördert. Nach den Ernennungen des Obersten Militärrats (YAŞ) im Jahr 2019 trat er nach seiner Versetzung nach Hakkari mit der Begründung zurück, er sei ungerecht behandelt worden.
Salim SANCAK