Levent Göktaş-Detail im Attentatsprozess gegen den „Beifall-General“ İsmail Metin Temel
Die Prozesse zum 15. Juli fallen in sich zusammen, je mehr Wahrheiten ans Licht kommen. Einer dieser Fälle ist das Verfahren wegen des sogenannten Attentatsversuchs oder des Versuchs zur Festsetzung (Derdest) des ehemaligen Kommandeurs des Van-Gendarmerie-Korps, İsmail Metin Temel. Die Existenz sehr starker Beweise widerlegt die Behauptungen des Regimes und der sogenannten Opferseite. Da diese Beweise die Behauptung des Regimes, Brigadegeneral Semih Terzi sei ein „Putschist“ gewesen, und damit die stärksten Argumente des 15. Juli umkehren könnten, kam es in diesem in Gaziantep geführten Prozess zu Interventionen, die sich jeder Vernunft entziehen. Dass bestimmte Cliquen eingreifen, um das Verfahren zu lenken, ist ein Beleg dafür, wie sich das Justizregime des 15. Juli in ein Regime der Unterdrückung verwandelt hat.
Das Detail Levent Göktaş im Prozessverlauf
Levent Göktaş, der ehemalige Kommandeur des MAK-Regiments, der im April vor dem 15. Juli an den Treffen zum „15. Juli Komplott-Projekt“ unter Beteiligung einiger Politiker, MİT-Mitglieder und Zekai Aksakallı teilnahm, schaltete sich in den Prozessverlauf ein. Wir erinnern uns an Levent Göktaş als mutmaßlichen Anstifter im Prozess zum Hablemitoğlu-Attentat. Bevor wir zu der unglaublichen Einmischung in den besagten Fall kommen, lassen Sie uns verstehen, was die Behauptungen der Staatsanwälte des Regimes und der sogenannten Opfer sind und was die eigentliche Wahrheit ist.
Der Behauptung nach wurden einige Militärangehörige unter dem Kommando von Semih Terzi, die im Rahmen des sogenannten Putsches Aktivitäten ausführten, zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Begründungen lauteten: Ein Festsetzungsversuch oder gar Attentatsversuch gegen Generalleutnant İsmail Metin Temel in Van, die Festsetzung von Brigadegeneral Halil Soysal, der über die Grenze nach Silopi einreiste und versuchte, das Kommando zu übernehmen, sowie Flüge trotz Flugverbots.
Was ist die Realität?
Major İsmail Çevik, der Bataillonskommandeur, dem vorgeworfen wird, in der Nacht des 15. Juli losgezogen zu sein, um Generalleutnant İsmail Metin Temel festzusetzen, sagt über den Flug in jener Nacht: „Uns wurde mitgeteilt, dass es sich um ein hochwertiges Ziel (high-value target) handelt. Aber wir sind nicht beim Korpskommando in Van gelandet.“ Major Çevik gibt an, dass der Hubschrauber in Van zwar kurz aufsetzte, aber sofort wieder abhob, ohne die Triebwerke abzustellen. Er erklärt, dass der Einsatzbefehl lautete, 13 Personen entgegenzunehmen, die von der PKK als Geiseln gehalten wurden. (Diese 13 Geiseln wurden bekanntlich bei einer Rettungsaktion im Jahr 2020 von der PKK ermordet. Diese Information bestätigt die Existenz der Geiseln.)
Die Behauptung illegaler Flüge ist unwahr
Dass İsmail Metin Temel (verantwortlich für die Flugregion) und Halil Soysal (der auf Befehl von Aksakallı das Kommando übernehmen sollte) die Flüge persönlich genehmigt hatten, kam ans Licht, als die vom Generalstab angeforderten Protokolle (cerideler) vor Gericht verlesen wurden. Die Behauptung, es seien ungenehmigte Flüge durchgeführt worden, ist eine glatte Lüge. Unter den Flugbefehlen für die Hubschrauber, die in der Nacht des 15. Juli 2016 flogen, stehen die Unterschriften von İsmail Metin Temel und Halil Soysal.
Zudem heißt es in dem in die Prozessakte eingegangenen und von Halil Soysal handschriftlich unterzeichneten „Ereignisprotokoll“: „Um 22:40 Uhr wurde der Hubschrauber mit der Kennnummer 10049 im Rahmen der Befehlshierarchie vom Kommandeur des Gendarmerie-Korps, İsmail Metin Temel, für die Verlegung von Van nach Siirt angefordert, jedoch aufgrund des vollständigen Flugverbots zurück zur ÖKHÜ-Kaserne geschickt.“ (Wegen dieses Protokolls gerieten die beiden Generäle aneinander und bezichtigten sich gegenseitig der Lüge).
Auch die Behauptung der Festsetzung von Halil Soysal ist gelogen
Die Grundlage für die Behauptung, Halil Soysal sei festgesetzt worden, entspringt lediglich Soysals Vorstellungskraft. Seine zu verschiedenen Zeiten gemachten Aussagen bestätigen dies. Soysal, der von der Grenze kommend die Einheit betrat, wurde dort von Terzis Stellvertreter Celal Koca protokollgemäß und wie ein Kommandeur empfangen. Es wurde Tee bestellt, und während sie gemeinsam Tee tranken, sprangen Soldaten auf Befehl von Soysal auf den sogenannten Putschisten Celal Koca und nahmen ihn fest. Koca war völlig überrumpelt. Soysal verwandelte dieses Handgemenge in seiner gerichtlichen Aussage in die Lüge, man habe versucht, ihn festzusetzen.
Abschließend sei daran erinnert, dass der Pilot Hauptmann Koray Nurgören, der Semih Terzi von Silopi nach Diyarbakır flog, in diesem Verfahren freigesprochen wurde, befördert wurde und seinen Dienst fortsetzt.
Solch klare Beweise und die Widersprüche in den Aussagen der sogenannten Opfer machten offenbar ein Eingreifen von Levent Göktaş, dem Inhaber der Anwaltskanzlei MLG, erforderlich. Wie verlief dieser Prozess?
Die Einmischung von Levent Göktaş in den Prozess
Einer der Partner der Anwaltskanzlei von Levent Göktaş ist ein pensionierter Oberst. Göktaş erfüllte die Aufgabe der Prozessmanipulation über diesen Partner. Dieser Partner reiste regelmäßig nach Gaziantep und traf sich mit den Inhaftierten im dortigen Gefängnis. Dort versuchten sie, Personen zu identifizieren, die Aussagen zugunsten des Regimes-Diskurses machen würden. Die Person, die sie fanden, war der Pilot Ali Özçelik, der in jener Nacht das Flugzeug nach Van flog. Göktaş und Zekai Aksakallı versprachen diesem Piloten über ihre Mittelsmänner, ihn vor einer Strafe zu bewahren, oder – falls das nicht gelinge – sich draußen um seine Ehefrau zu kümmern und materielle Vorteile zu verschaffen.
In der Folge wurde der Anwalt, der Partner von Göktaş ist, zum Verteidiger des Piloten Ali Özçelik. Demet Özçelik, die Ehefrau des Piloten, wurde in der Anwaltskanzlei von Levent Göktaş eingestellt. Über Ali Özçelik und seine Frau sammelten sie Informationen über den Zustand der anderen Mitangeklagten und deren Verteidigungsstrategien. Demet Özçelik nahm an den Verhandlungen teil und machte sich Notizen über alles, was besprochen wurde – obwohl dies für andere Zuschauer verboten war. Zu welchem Zweck sie diese Notizen führte und an wen sie diese weiterleitete, ist immer noch ein Fragezeichen. Dass sie mit dieser Beeinflussung weitgehend erfolgreich waren, zeigt sich an der belastenden Aussage, die der Pilot Ali Özçelik gegen Semih Terzi und die anderen Angeklagten machte.
Levent Göktaş' Versuch, ein Stück vom Kuchen abzubekommen, wurde ihm zum Verhängnis
Kommen wir zu einer Behauptung, warum Levent Göktaş im Fall des Hablemitoğlu-Attentats ins Visier genommen wurde. Jeder, der am „Projekt 15. Juli“ mitgewirkt hat, trat nach dem 15. Juli in einen Kampf um die Beute ein. Diejenigen, die Ansprüche stellten, verwiesen auf ihre Rolle beim Komplott des 15. Juli. Sogar Namen wie Süleyman Soylu stiegen in das Spiel ein, indem sie von ihnen kontrollierte Mafia-Gruppen zum TRT-Gebäude riefen. Einer der Orte, an denen es offensichtlich Beute zu verteilen gab, ist Idlib im Norden Syriens. Es gibt die Behauptung, dass Levent Göktaş und Tarkan Mumcuoğlu, die versuchten, unter Berufung auf ihr „Geschick“ beim 15. Juli-Projekt in dieser Region ins Spiel zu kommen, jemandem auf die Füße traten und durch den Hablemitoğlu-Prozess gezügelt wurden.
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